Kompetenz von Studierenden: Interdisziplinäre Studiengänge vorn

In einer empirischen Studie mit 300 Befragten wurde untersucht, wie typische Absolventen der Studiengänge „Ökonomie“, „Philosophie“ und „Psychologie“ wahrgenommen werden. Verglichen wurden sie mit Absolventen, die eine Kombination dieser drei Fächer studieren (zum Beispiel den Master „Behavioral Ethics, Economics, and Psychology“ IW Akademie, 2026). Hierbei wurden soziale, sprachliche und mathematische Kompetenzen unterschieden. Die Ergebnisse zeigen, dass den Absolventen des interdisziplinären Studiengangs über alle Dimensionen im Schnitt die größte Kompetenz zugeschrieben werden.

Große Auswahl – Sorge vor Künstlicher Intelligenz

Wer zusätzlich zu einem Bachelorabschluss auch einen Master erwerben will, kann dabei an deutschen Universitäten und Fachhochschulen mittlerweile zwischen mehr als 10.000 unterschiedlichen Studiengängen wählen, wovon mehr als 3.000 dem Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zugeordnet werden können (Hochschulrektorenkonferenz, 2025). Bei der Wahl ihres Masterstudiengangs müssen Studierende neben der äußeren Form (Universität, staatliche oder private Fachhochschule) und dem zeitlichen Umfang (Vollzeit- oder berufsbegleitendes Studium) auch eine Entscheidung darüber treffen, ob der Titel ihres Studiengangs auf ein einzelnes, breites und traditionelles Fach verweist (zum Beispiel „Volkswirtschaftslehre“), oder ob bereits im Titel eine Spezialisierung bzw. eine Kombination unterschiedlicher Studiengänge ausgewiesen wird. Gerade die Sorge vor der Übernahme vieler Aufgaben durch künstliche Intelligenz, macht die Wahl eines spezialisierten Studiengangs potenziell riskanter. Ein breites Studium erscheint sicherer, aber wie werden die erworbenen Kompetenzen eines interdisziplinären Studiengangs später bewertet? Ein Beispiel für einen solchen Studiengang ist der seit zwölf Jahren von der TH Köln in Kooperation mit der IW-Akademie GmbH angebotene berufsbegleitende Studiengang, der Ethik, Psychologie und Ökonomik miteinander kombiniert (IW-Akademie, 2026).

Zuschreibung von Wärme und Kompetenz

In der Studie wurde untersucht, wie solche Kombinationsstudiengänge wahrgenommen und beurteilt werden. Hierbei haben wir uns daran orientiert, dass die Wahrnehmung von Individuen, aber auch von Organisationen und ganzen Kulturen sich an zwei grundlegenden Dimensionen orientiert (Fetchenhauer, 2024; Martin/Slepian, 2017):

  1. Wärme. Zu dieser Dimension gehören Eigenschaften wie Fürsorglichkeit, Fairness und Loyalität.

  2. Kompetenz. Hierzu gehören Eigenschaften wie Intelligenz, Wissen und Begabung.

Diese beiden Kerndimensionen sozialer Wahrnehmung prägen beispielsweise Stereotype über Frauen und Männer oder unterschiedliche Nationalitäten: So werden Frauen traditionell höhere Werte auf der Dimension „Wärme“ zugeschrieben als Männern, während Männern höhere Werte auf der Dimension „Kompetenz“ zugeschrieben werden. „Deutsche“ gelten in den Augen ihrer europäischen Nachbarn als „kompetent“, aber „kalt“, Spanier und Italiener hingegen als „warm“, aber auch als „inkompetent“ (Cuddy et al., 2009)

„Wärme“ und „Kompetenz“ von Absolventen unterschiedlicher Studiengänge

Innerhalb der Kompetenzzuschreibung wurde zusätzlich zwischen verbal-sprachlichen und mathematisch-logischen Fähigkeiten unterschieden. Daraus ergaben sich drei unterschiedliche Kompetenzdimensionen, die durch jeweils zwei Fragebogenitems erfasst wurden.

  1. Soziale Kompetenzen („ist gut darin, einen Menschen davon zu überzeugen, keinen Suizid zu begehen“ und „ist in der Lage, einem unglücklich verliebten Teenager zu helfen“).

  2. Mathematische Kompetenzen („ist in der Lage, mathematische Probleme zu lösen“ und „ist gut im Lösen von Logikrätseln“).

  3. Sprachliche Fähigkeiten („versteht die Bedeutung komplexer Fremdwörter“ und „ist gut im Lösen von Kreuzworträtseln“).

Hinsichtlich „sozialer Fähigkeiten“ zeigte sich sehr deutlich, dass diese vor allem Studierenden der Psychologie zugeschrieben wurden, während diese Fähigkeiten Ökonomen weitgehend abgesprochen wurden. Sowohl bei Studierenden der Philosophie als auch des kombinierten Studiengangs lagen die Werte in der Mitte. 

Mathematische Fähigkeiten sahen die meisten Befragten vor allem bei Ökonomen und (in abgeschwächter Form) bei Absolventen des kombinierten Studiengangs, während Studierenden der Philosophie und vor allem der Psychologie solche Fähigkeiten kaum zugeschrieben wurden. 

Sprachliche Fähigkeiten sahen die Befragten hingegen vor allem bei Absolventen des Kombinationsstudiengangs, Studierende der Psychologie und vor allem der Ökonomie lagen deutlich darunter, die Werte für Philosophiestudierende lagen in der Mitte.

Hinsichtlich der drei Einzelstudiengänge zeigte sich somit, dass Ökonomen als „kalte Technokraten“ wahrgenommen werden, mathematisch begabt, aber weitgehend empathielos – eine Kombination, die häufig als „unsympathisch“ beschrieben wird (Fiske et al., 2002). Psychologen hingegen wird ein sehr hohes Maß an emotionaler Intelligenz und Wärme, aber nur geringe mathematisch-logische Fähigkeiten zugeschrieben. Das Image von Philosophen ist hingegen weniger pointiert, wobei auffällt, dass auch diese als mathematisch eher unbegabt klassifiziert werden. 

Bei der Gesamtkompetenz waren die Unterschiede zwischen den Studiengängen insgesamt geringer als bei den einzelnen Dimensionen, weil sich hier Vor- und Nachteile nivelliert haben. Dennoch fällt auf, dass nur für den kombinierten Studiengang die Werte oberhalb des Durchschnitts (das heißt oberhalb von Null) lagen. Dieser Unterschied war auch statistisch signifikant: Studierenden des kombinierten Studiengangs wurde die höchste Gesamtkompetenz zugesprochen. 

Höchste Gesamtkompetenz: Kombinationsstudiengänge

Die zentrale Forschungsfrage war, welche Eigenschaften Studierenden einer Kombination dieser drei Studiengänge zugeschrieben werden. Entspricht die Wahrnehmung solcher Studierender dem Durchschnitt der einzelnen Fächer, kombinieren sie deren negativen Attribute, oder schreibt man ihnen die positiven Eigenschaften der einzelnen Studiengänge zu?

Das Ergebnis: Auf allen drei Dimensionen lagen ihre Werte über dem Durchschnitt, sprachliche Fähigkeiten wurden ihnen sogar am meisten zugesprochen, und auch bei der Gesamtkompetenz (das heißt dem Durchschnitt der drei Einzelkompetenzen), lagen sie über allen drei Einzelstudiengängen.

Für die Wahl des eigenen Masterstudiengangs bedeutet dies: eine Kombination verschiedener Fächer kann nicht nur inhaltlich spannend sein, signalisiert auch in der Wahrnehmung anderer Menschen (zum Beispiel bei potentiellen Arbeitgebern) eine Vielzahl unterschiedlicher Kompetenzen und eben keinen Kompromiss. Dies ist auch bezogen auf die zunehmende Nutzung von künstlicher Intelligenz in der Personalauswahl ein guter Grund, sich für einen interdisziplinären Studiengang zu entscheiden. 

Datengrundlage

Eine Stichprobe von 300 Versuchspersonen (die mindestens über einen eigenen Bachelorabschluss verfügten) wurde über die Plattform Prolific gefragt, inwiefern sie die beschriebenen Eigenschaften einem Absolventen der Fächer „Philosophie“, „Ökonomie“, „Psychologie“ sowie einer Kombination dieser drei Studiengänge zuschreiben. Um Verzerrungseffekte zu vermeiden, wurden jeweils 75 Versuchspersonen nach jeweils einem der vier untersuchten Studiengänge befragt. Für jede dieser Dimensionen wurde eine Skala berechnet, darüber hinaus wurden als Maß für die wahrgenommene Gesamtkompetenz die drei verschiedenen Dimensionen zu einer Gesamtskala kombiniert. Anschließend wurden alle vier Skalen so normiert, dass sie einen Mittelwert von Null und eine Standardabweichung von Eins aufwiesen.


Mehr Informationen zum Masterstudiengang Behavioral Ethics, Economics and Psychology


Quellen

Cuddy, Amy J. C. / Fiske, Susan T. / Glick, Peter, 2009, Warmth and competence as universal dimensions of social perception: The stereotype content model and the BIAS map, British Journal of Social Psychology, Vol. 48, S. 1–27

Fetchenhauer, Detlef, 2024, Psychologie, 3. Aufl., München

Fiske, Susan T. / Cuddy, Amy J. C. / Glick, Peter / Xu, Jun, 2002, A model of (often mixed) stereotype content: Competence and warmth respectively follow from perceived status and competition, Journal of Personality and Social Psychology, Vol. 82, No. 6, S. 878–902

Hochschulrektorenkonferenz (HRK), 2025, Hochschulen in Zahlen 2025, Statistikfaltblatt, Bonn, https://www.hrk.de/fileadmin/redaktion/hrk/02-Dokumente/02-06-Hochschulsystem/Statistik/2025-08-13_HRK-Statistikfaltblatt_2025.pdf  [29.11.2025]

Martin, Ashley E. / Slepian, Michael L., 2017, The Big Two, in: Zeigler-Hill, Virgil / Shackelford, Todd K. (Hrsg.), Encyclopedia of Personality and Individual Differences, Springer International Publishing, doi.org/10.1007/978-3-319-28099-8_864-1

IW Akademie, 2026, Behavioral Ethics, Economics and Psychology (Masterstudiengang), https://www.iw-akademie.de/master/der-masterstudiengang [3.5.2026]

Foto: Olia Danilevich, Pexels, images.pexels.com/photos/8093046/pexels-photo-8093046.jpeg [19.05.2026]

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Veröffentlicht von:

Dominik H. Enste

Prof. Dr. Dominik H. Enste ist Geschäftsführer der IW Akademie, Leiter des Kooperationsclusters "Verhaltensökonomik und Wirtschaftsethik" im Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Professor für Wirtschaftsethik und Institutionenökonomik an der Technischen Hochschule Köln und Dozent an der Universität zu Köln.