Blog der IW Akademie

Das Gefühl von Angst in der Krise - Warum aus Angst viel größere Risiken entstehen können

„Nach der Krise ist vor der Krise “

Insbesondere seit zwei Jahren überschlagen sich die Ereignisse und einer Krise folgt die nächste. Neben der fortwährenden Klimakrise kam die Corona-Krise hinzu und jetzt der Ukraine-Krieg. Existenzielle Ängste der Menschen sind unter solchen Umständen mehr als verständlich.

Das Gefühl von Angst wird zusätzlich durch die mangelnde Handlungsfähigkeit im Ukraine-Krieg erhöht. Während in der Corona-Krise Maßnahmen wie regelmäßiges Hände waschen und desinfizieren, eine Maskenpflicht oder Quarantäneregelungen jeder Einzelne umsetzen konnte, ist die Handlungsfähigkeit im Ukraine-Krieg gegen militärische Drohung deutlich eingeschränkt. Dieser nahezu völlige Kontrollverlust trägt zur zunehmenden Verängstigung der Menschen bei.

Unterscheiden sich die Ängste je nach Einkommensschicht?

In jeder Einkommensschicht sind Ängste vorhanden. Die Sorgen einzelner Bevölkerungsschichten sind dabei unterschiedlich. Etwa 16 Prozent der deutschen Bürger gelten als armutsgefährdet, da sie weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens haben. Diese Einkommensschicht ist am stärksten von den Folgen der aktuellen Situation betroffen. Auch weil gerade Lebensmittel und Energie teurer geworden sind.

Der grundlegenden medialen Darstellung, dass die Mittelschicht sich um Abstiegsängste sorgt, ist entgegenzuhalten, dass die deutsche Mittelschicht sich in der Entwicklung seit 2005 stabilisiert hat. Dies zeigt eine aktuelle IW-Analyse. Auch wenn derzeit Lebensmittel wie Sonnenblumenöl oder Mehl in den Supermärkten kurzfristig kaum erhältlich sind und hohe Benzinpreise in Kauf genommen werden müssen, erleidet die Mittelschicht aktuell keine realen schwerwiegenden Einschränkungen wie eine hohe Arbeitslosigkeit, Nahrungsmittelknappheit oder Heizbeschränkungen. Wie sich jedoch das Empfinden und die Reaktionen verändern werden, wenn die Menschen aufgrund eines Gasembargos wirkliche Einschränkungen akzeptieren müssen, ist die entscheidende Frage.

Die Stimmung gegen Sanktionen für Russland und Unterstützung für die Ukraine könnte sich wenden

Die deutsche Politik bemüht sich entlang des tugendethischen Ansatzes alles Mögliche zu versuchen, um Putin zu stoppen. Für die Bevölkerung ist dies so lange unkritisch, bis die Auswirkungen den Status Quo der deutschen Bevölkerung nicht maßgeblich negativ verändert. Bei einer dauerhaft hohen Inflation, steigender Arbeitslosigkeit und geringeren Kaufkraft, könnte die Stimmung gegen die Sanktionen und Unterstützung der Ukraine kippen.

Was Menschen mit Kontrollverlusten selbst tun können, um Kontrolle zurückzuerlangen und warum aus Angst neue, viel größere Risiken entstehen können, erfahren Sie im gesamten Interview von Dominik Enste bei der Frankfurter Rundschau unter: „Aus Angst neue, größere Risiken kreieren“ (fr.de)

 

Literatur:

Enste, Dominik / Klös, Hans-Peter, 2021, Wachstum, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit: Tripolare Herausforderungen für die Soziale Marktwirtschaft

Niehues, Judith / Stockhausen, Maximilian, 2022, Die Mittelschicht im Fokus - Abgrenzung, Entwicklung und Mobilität